Mittwoch, 15. Januar 2014

Prof. Dr. Frank Deppe, Marburg

Das Politische Denken im 20.Jahrhundert - Eine aufregende Theoriegeschichte 

Der Marburger Politikwissenschaftler Frank Deppe hat in den letzten zehn Jahren (zwischen 1999 und 2010) eine umfangreiche Geschichte des politischen Denkens im 20. Jahrhundert vorgelegt. Von der Krise der Belle Epoque bis zur Großen Krise der Gegenwart: Diese Arbeit ist ein Standardwerk über die politischen Strömungen des Liberalismus, Konservatismus, Sozialismus und Antiimperialismus und deren Exponenten im 20. Jahrhundert. Vor dem Hintergrund einer klugen Zeitdiagnose stellt Deppe die wichtigsten politisch-intellektuellen Strömungen und ihre RepräsentantInnen vor. Bei der Auswahl dieser idealtypischen VertreterInnen finden der ideengeschichtliche Kontext ebenso Berücksichtigung wie die ökonomischen und sozialen Strukturen, die Entwicklungsprozesse und Machtverhältnisse ihrer Zeit. In Erweiterung des traditionellen Marxismus des 20. Jahrhunderts berücksichtigt Deppe dabei eine neue Lesart des Politischen. Er untersucht Politik als eigenes Handlungsfeld, die Frage der relativen Eigenständigkeit des Politischen, die Rolle der Intellektuellen, die Bedeutung der Kultur einschließlich der Alltagskultur etc. Seine Theoriegeschichte kann zugleich auch als ein Spiegel der politischen Geschichte und der Klassenkämpfe dieser Zeit gelesen werden. Prof. Dr. Frank Deppe gibt einen Überblick über seine Arbeit und stellt seinen Ansatz zur Diskussion.

Frank Deppe (Jg. 1941) war bis zu seiner Emeritierung Politikwissenschaftler an der Universität Marburg. Schwerpunkte: Politische Theorie, Geschichte und Politik der deutschen und der internationalen Arbeiterbewegung ebenso wie Politische Soziologie der Gewerkschaften, die Europäische Integration und Internationale Politische Ökonomie.

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Donnerstag, 30. Jan. 2014    

Koloniale Spurensuche in Bielefeld und Umgebung

Buchpräsentation  mit HerausgeberInnen und AutorInnen

Afrikanische Waffen auf der Sparrenburg und ein Diamantfeld in der ›Ressource‹.

Ein Bielefelder, der im Kolonialkrieg in Deutsch-Südwestafrika starb. Ein Lemgoer Arzt, der im 17. Jahrhundert zum Japanforscher wurde. Afrikanische Kindergräber auf dem Betheler Zionsfriedhof, Kolonialwarenläden, der Ostmannturm, das Crüwell-Haus u.v.m. - die unerwarteten Fundorte zeugen davon, dass die heutige Region Ostwestfalen-Lippe schon lange in globalen Beziehungen stand und dass der Kolonialismus auch vor Ort eine Rolle spielte.

Masterstudierende und Promovierende der Universität Bielefeld haben sich unter Federführung von Dr. Bettina Brockmeyer und Dr. Felix Brahm auf die Suche nach Spuren einer kolonialen Vergangenheit in Bielefeld und Umgebung gemacht. Das Ergebnis ist informativ und erhellend - und erscheint jetzt im Bielefelder tpk-Verlag.

 

Koloniale Spurensuche in Bielefeld und Umgebung

hg. v. Felix Brahm u. Bettina Brockmeyer,

144 Seiten, zahlr. Abb., Format 19,8 x 12,1 Bielefeld,, 2014, 12,80 €

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Dienstag, 4. Februar 2014     

 "Else Lasker-Schüler kann von Lorbeerblättern nicht leben"

Ein Abend über das tragische Leben und bedeutende Werk der Dichterin Else Lasker-Schüler

 mit Thomas B. Schumann, Verleger aus Hürth

 Else Lasker-Schüler (geboren 1869 in Elberfeld, gestorben 1945 in Jerusalem) war eine bedeutende deutsch-jüdische Dichterin. Sie gilt als herausragende Vertreterin der avantgardistischen Moderne und des Expressionismus in der Literatur. "Die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte" - so urteilte Gottfried Benn. 1933 entkam sie der Verfolgung durchdas NS-Regime durch die Emigration in die Schweiz und später nach Palästina.

Thomas B. Schumann, Germanist und Historiker, ist Gründer und Verlagsleiter der Edition Memoria in Hürth. Dieser Verlag ist der einzige in Deutschland, der ausschließlich Exilautorinnen und -autoren veröffentlicht.

 

In Kooperation mit:                                                                                                                  Deutsch-Israelische Gesellschaft e. V., Arbeitsgemeinschaft Bielefeld                                      

Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit e.V. Bielefeld                                              Gruppe "Kritik und Utopie", Uni Bielefeld                                                                         

Mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung NRW e.V.

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Mittwoch, 19. Februar 2014  

Buchvorstellung

Warum wir es gerne einfach hätten und alles immer so kompliziert ist

Bequemes Denken – waches Denken    Denkfehler vermeiden und richtig handeln

 mit dem Autor   Dr. Peter Plöger  

Vereinfachen ist menschlich: Wir müssen uns die Welt überschaubar halten, um überhaupt handeln zu können. Die Welt, in der wir leben, ist viel zu kompliziert, vielfältig und unstrukturiert für die geringen Verarbeitungskapazitäten unseres Gehirns. Deshalb denken wir uns, um uns unsere Handlungsfähigkeit zu bewahren, vieles „kurz und klein“, so Autor Peter Plöger. Die Natur hat dafür unsere Wahrnehmung mit Vereinfachungsfiltern versehen. Längst nicht alles, was wir wahrnehmen, gelangt also in unser Bewusstsein. Und das ist auch gut so. So sind wir beispielsweise nur ungern dazu bereit, den ersten Eindruck, den wir uns von einem Menschen gemacht haben, später zu relativieren. Auch alle weiteren Erfahrungen mit dem Betreffenden sollen in das Wahrnehmungsgefäß passen, das unser Gehirn bereits für ihn eingerichtet hat. Die unguten Folgen liegen auf der Hand. Solcherart „bequemem Denken“ nicht unhinterfragt nachzugeben, dafür streitet der Autor wortgewaltig und führt anschauliche Beispiele ins Feld. Peter Plöger zeigt , warum wir uns gerne durch die rosarote Brille sehen – auch wenn das nicht immer richtig ist, warum reines Profitdenken kein gutes Vorbild für eine Gesellschaft ist oder warum das Internet allein noch keine Demokratie macht.

Ein Buch, das Mut macht, die Komplexität der Welt auch einmal auszuhalten.

Über den Autor

Peter Plöger, Jahrgang 1971, freiberuflicher Autor, Berater und Coach. Er lebt in Bielefeld.   www.peter-ploeger.de

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Mittwoch, 2. April 2014    

Muslim girls  Wer wir sind - wie wir leben 

Lesung von Sineb El Masrar, mit anschließender Diskusssion 

Mit ihrer humorvollen und lebensnahen Kulturstudie bietet Sineb El Masrar mehr als einen Sack voll Antworten. Es ist eine Untersuchung über den Alltag von jungen Muslimas in Deutschland, die sämtliche Lebensbereiche umfasst. 

„Die Chancen sind groß, dass Sie eine wie mich kennenlernen. Früher oder später trifft eigentlich jeder auf uns Muslim Girls. Doch wer uns nur verstohlen aus der Ferne … beobachtet, trägt meist einen Sack voll Fragen mit sich herum“, schreibt Sineb El Masrar. „Ist die wohl schon zwangsverheiratet? Darf die hier eigentlich ohne männliche Begleitung herumlaufen? Oder liegt das Einkaufszentrum noch im Radius dieser legendären Kamel-Fatwa?“ 

Sineb El Masrar,1981 als Tochter marokkanischer Einwanderer in Hannover geboren, ist in der niedersächsischen Provinz aufgewachsen. Nach zwei Ausbildungen als Erzieherin und Kauffrau und einigen Stationen in der Marktforschung, an Grundschulen und in der Filmbranche gründete sie im Jahr 2006 das einzige multikulturelle Frauenmagazin Gazelle. Sie saß 2006 in der Arbeitsgruppe „Medien und Integration“ der Integrationskonferenz von Maria Böhmer im Kanzleramt und ist heute Teilnehmerin der Deutschen Islam Konferenz. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Eine Veranstaltung von ver.di  in Kooperation mit GEW Kreisverband Paderborn, Das Bunte Haus, Buchhandlung mondo

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Dienstag, 8. April 2014  

Wirklicher Sozialismus statt Realsozialismus?

- Über die Gegenwart kommunistischer Gespenster und Utopien

 mit: Bini Adamczak, Berlin 

Wie weiter nach dem Untergang der "realsozialistischen" Systeme? Die Idee des Kommunismus erfährt angesichts der verbreiteten kapitalistischen Krisen und Kriege wieder neue Popularität. Was sind die Grundlagen dieses neu erwachten Interesses? 

Die Krisen und Revolten in Tunesien, Ägypten, den USA, Griechenland und Spanien haben neue Bedingungen entstehen lassen die den Wunsch nach einer radikalen Gesellschaftsveränderung überhaupt erst wieder denkbar, vorstellbar, wünschbar werden ließen. Das Ende des "Endes der Geschichte" scheint erreicht, der Antikapitalismus mittlerweile wieder konsensfähig geworden zu sein. Aber emanzipatorische oder gar kommunistische Visionen und Alternativen finden keinen Nährboden ohne eine entschiedene Abgrenzung zu den untergegangen Systemen der Sowjetunion und ihrer befreundeten Staaten. Gleichfalls müssen die Prinzipien und Grundlagen einer befreiten Gesellschaft auch gegen das verbreitete Bilderverbot erneut zum Thema werden. Einen Beitrag dazu hat in der Vergangenheit unsere Referentin geleistet.

 In Kooperation mit ag freie bildung, Universität Bielefeld                                                                     mit freundlicher Unterstützung der Rosa Luxemburg Stiftung NRW e.V.

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Samstag, 10. Mai 2014   20.00 Uhr    

 Tag der Exilliteratur - Lesen gegen das Vergessen.

 anlässlich des 81. Jahrestages der nationalsozialistischen Bücherverbrennung

 In diesem Jahr ist der Abend dem Schriftsteller Ernst Toller gewidmet.

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Sonntag, 18. Mai 2014   11.00 Uhr  

"Nein, ich will keinen Seniorenteller" ... und 60 ist kein Alter!  

Eine Matinee mit Geschichten rund um das Thema "Altwerden" und "Zeit haben".

 Texte von Fontane, Brecht, Tucholsky zusammengestellt und vorgetragen von Almuth Wessel

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Freitag,    23. Mai 2014  

Lesung mit Anja Röhl

Die Frau meines Vaters - Erinnerungen an Ulrike

Anja Röhl ist die Stieftochter von Ulrike Meinhof. Ihr Buch ist eine literarische Verarbeitung von Erinnerungen. Diese Erinnerungen werden auf dem Hintergrund von Kindheitserlebnissen in Erziehungsinstitutionen, dem Postfaschismus der Adenauer-Ära, fehlender Elternkompetenz der leiblichen Eltern, und der Zeit der Studentenproteste während des Kalten Krieges chronologisch aufgeblättert. Ulrike Meinhof wird hier als ein Gegenpol sichtbar, die den bisherigen medial vermittelten Aussagen diametral entgegensteht. Dabei beschreibt Anja Röhl nur; Erinnerungen werden unkommentiert aneinandergereiht, LeserInnen können sich ein eigenes Bild machen. Es spricht mit Anja Röhl erstmalig ein Mensch aus dem unmittelbaren familiären Nahbereich, der Ulrike Meinhof bewusst vom 4. Lebensjahr gekannt und geliebt hat und bis zum 20. Lebensjahr mit ihr Kontakt hatte.

Der Blickwinkel im Roman erweitert sich stetig. Zunächst eng aus Sicht eines Kindes, später einer Jugendlichen, und noch später einer jungen Frau wird die Realität der sie umgebenden Familie, dann die Ereignisse der Geschichte der Bundesrepublik in vielen entscheidenden Phasen beschrieben. In Westdeutschland, zwischen 1958 und 1976. Die Erinnerungsstücke fügen sich in äußerster Verdichtung wie Filmszenen montagehaft zusammen. Die familiäre Begegnung mit der historischen Person Ulrike Meinhof, die in ihrem journalistischen Wirken gegen die Wiederbewaffnung, gegen die Notstandsgesetze und als Vordenkerin der Überwindung des Kalten Krieges, aber auch mit vielen pädagogisch-emanzipativen Aspekten in dem Buch mehr und mehr Raum gewinnt, wirkt durch rückhaltlose Subjektivität authentisch und gewinnt durch diese Authentizität an Wahrheit.

 Eine Veranstaltung in Kooperation mit: Rote Hilfe e.V. Ortsgruppe Bielefeld

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Freitag, 13. Juni 2014  

 Anarchismus und Marxismus - nur zwei feindliche Brüder? 

mit: Phillippe Kellermann, Berlin
 

Die sozialistische Bewegung des 19. und 20. Jahrhunderts ist untrennbar mit den zwei großen ideengeschichtlichen Strömungen Anarchismus und Marxismus verbunden. Zur Geschichte und Gegenwart dieser sozialistischen Bewegungen gehört allerdings auch die Sprachlosigkeit untereinander. Die anarchistische Seite bemüht sich in den letzten Jahren insbesondere in der Person von Phillippe Kellermann um ein Aufbrechen dieses abgerissenen Dialogs. In mehreren Publikationen sind Gemeinsamkeiten und Differenzen dieser ideengeschichtlichen Strömungen thematisiert worden. Wo liegt die Zukunft eines wünschenswerten Dialogs, wo ihre Grenze? Das "Bakunin-Jahr" (Bakunin wurde 1814 geboren) bietet die Möglichkeit einer weitergehenden Klärung und Auseinandersetzung.

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Sonntag, 15.Juni 2014  

Çapulcu   Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei

Buchvorstellung und Infoveranstaltung  mit dem Autor Tayfun Guttstadt

Tayfun Guttstadt, in Hamburg geboren, lebt seit drei Jahren in der Türkei und ist dort in der linken und der Umweltbewegung aktiv. Zu Besuch in Deutschland, stellt er sein Buch ›Çapulcu‹ vor und schildert Beginn, Verlauf und Hintergründe der Proteste, an denen er selbst aktiv teilgenommen hat. Vor allem aber gibt er den Beteiligten Gesicht und Stimme und zeigt so die Vielfalt, aber auch die Gespaltenheit der Bewegung. Abschließend werden die Ereignisse gesellschaftspolitisch analysiert und eingeordnet, wobei aktuelle Geschehnisse in der Türkei mit in den Vortrag einfließen.

Die Veranstaltung wird von einer Dia-Show mit ausdrucksstarken Fotos von den Ereignissen begleitet. Eine Diskussion nach dem Vortrag ist ausdrücklich gewünscht.

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Freitag, 11.Juli 2014  20.00 Uhr

Der Streetartkünstler KP Flügel aus Hamburg stellt seine neue Publikation vor.

Blechschmidt | Flügel | Reznikoff (Hg.)    Free OZ!

Streetart zwischen Revolte, Repression und Kommerz

Während des Jura-Studiums sammelte KP Flügel seine ersten Erfahrungen als Journalist. In den 1980er Jahren war er Redakteur und Mit-Herausgeber der Göttinger Stadtillustrierten und als freier Journalist u.a. für die »taz« Berlin und den Norddeutschen Rundfunk aktiv. Er ist Mit-Herausgeber des Reiseführers »St. Petersburg zu Fuß«, erschienen im VSA Verlag Hamburg. Später widmete er sich über 20 Jahre der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit für Unternehmen und aktuell für kulturelle Projekte wie z.B. das Avantgarde-Festival in Schiphorst oder die Hamburger alternativen HEW-Lesetage.

Seit 2008 realisiert er zusammen mit Jorinde Reznikoff auf Radio FSK, Hamburg die »neopostdadasurrealpunkshow«. In Paris lernten sie die Graffiti-Künstlerin Miss.Tic kennen, deren Werdegang sie in dem in der Edition Nautilus erschienenen Buch »Bomb it, Miss.Tic« nachgezeichnet haben. KP Flügel veröffentlicht regelmäßig in der »Direkten Aktion«, der »Graswurzelrevolution« und dem Magazin für Gegenkultur »Wahrschauer«.