Crime Time - Lesungen bei mondo, jeden ersten Mittwoch im Monat um 20.00 Uhr. Schwerpunkt sind bekannte regionale Autorinnen und Autoren von Kriminalromanen oder Krimis mit Regionalbezug.

Mittwoch, 5. August  20.00 Uhr            Eintritt frei / Spende bei Austritt

Die etwas andere Krimilesung

Der Bielefelder Übersetzer Michael Halfbrodt stellt vor:

Bernard Thomas
Die vielen Leben des Alexandre Jacob (1879 – 1954)  Matrose, Dieb, Anarchist, Sträfling
Roman
Aus dem Französischen von Elke Funke und Michael Halfbrodt    347 Seiten  18 €

"Wenn ich gestohlen habe, dann war das keine Frage des Gewinns oder Profits, sondern eine Frage des Prinzips, des Rechts. Ich habe es vorgezogen, meine Freiheit, meine Unabhängigkeit, meine Menschenwürde zu bewahren, anstatt das Vermögen irgendeines Herrn zu mehren. Noch einfacher und nüchterner ausgedrückt, ich war lieber Dieb als Bestohlener." Soweit der in Frankreich auch jetzt noch legendäre Alexandre Jacob. Dieses Mal bei der Krimilesung im mondo also keine fiktive Gestalt sondern ein echter historischer "Kriminalfall" - allerdings in Romanform. Mit einer gewissen Sympathie für seinen Protagonisten geht es in dem Roman von Bernhard Thomas um die Zeit des Alexandre Jacobs als Matrose, um seine glorreiche Zeit als Einbrecher, der es auf 150 Einbrüche und Diebstähle brachte, bis hin zu seiner Zeit im Gefängnis, wo aus dem Einbrecher ein Ausbrecher wurde. Er brachte es auf stolze 17 Ausbruchsversuche. Bernhard Thomas lässt dabei Zeitdokumente einfließen und fängt zugleich auch die Atmosphäre gut ein, in der sich Alexandre Jacob zu jenem anarchistischen « Robin Hood » entwickelte. Richtig populär wurde Jacob während der Zeit seines großen Strafprozesses 1905 in Paris. Bernhard Thomas gelingt es, die Atmosphäre der Belle Époque einzufangen und einen Einblick in das anarchistische Milieu dieser Zeit zu geben.

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Vortrag und Gespräch          Eintritt frei / Spende bei Austritt

Donnerstag, 20. August 2015     20 Uhr

Radikal und humanistisch -  Was bringt uns Erich Fromm heute?

mit Dr. André Kamphaus, Bielefeld

Der deutsch-US-amerikanischen Psychoanalytiker, Philosophen und Sozialpsychologen Erich Fromm vertrat seit den 1920er Jahren bis zu seinem Tode 1980 mit seinen Beiträgen zur Psychoanalyse, Religionspsychologie und Gesellschaftskritik einen humanistischen, demokratischen Sozialismus.

Dr. André Kamphaus:

Erich Fromm kennen viele. Und viele, die ihn kennen, empfinden spontan Sympathie für viele seiner Gedanken. Dabei hat er uns auf den ersten Blick wenig Erfreuliches mitzuteilen. Er beschreibt die moderne Wohlstandsgesellschaft als krank, die Menschen dieser Gesellschaft als notorisch unglücklich, und er gibt zu verstehen, dass eine Wende zum Besseren nur dann möglich ist, wenn wir mit vielen unserer Denk- und Lebensgewohnheiten radikal brechen.

All das ist ziemlich unbequem, und doch: Viele Leser scheinen dieser Analyse weitgehend zuzustimmen. Zumindest schaffen es Fromms Bücher auch heute noch, zu polarisieren und herauszufordern. Grund genug, sich die Grundgedanken seiner Theorie einmal genauer anzuschauen. Worin bestehen diese Grundgedanken? Wie kommt Fromm zu seiner ernüchternden Einschätzung der westlichen Lebenspraxis?  Was ist das Besondere seines radikal humanistischen Ansatzes? Und vor allem: Was bringt uns seine sogenannte „neue       Wissenschaft vom Menschen“ heute? Ist Fromm ein guter und brauchbarer Ratgeber, wenn es um die Frage geht, wie wir in Zukunft unser gesellschaftliches Miteinander organisieren wollen? Kann uns sein humanistischer Ansatz dabei helfen, die großen Probleme der Gegenwart besser zu verstehen und zu bewältigen? Fühlen Sie sich herzlich eingeladen zu einem kleinen Vortrag mit hoffentlich großer Diskussion!

Erich-Fromm.pdf
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