Donnerstag, 31. Jan. 2019    20 Uhr   Eintritt frei

 

Autorenlesung

 

Flucht in Gefahr - der dritte Psychokrimi aus Ostwestfalen

 

mit Autor Wolfgang Neumann, Bielefeld,

 

Begleitung durch das Saxophon-Duo „Leptophonics“

Für das Autorenduo Sandrock / Neumann stellt Wolfgang Neumann, Psychologe in Bielefeld, ihren neuesten Psychokrimi vor.

 

Im dritten psychologischen Kriminalroman aus Ostwestfalen-Lippe

„Flucht in Gefahr“

ermitteln die Bielefelder Kommissare Annette Sasse und Otto Johanningmeier zusammen mit dem Psychotherapeuten Dr. Rainer Sauer in einem außergewöhnlichen Fall, in dem sie hautnah mit der aktuellen Flüchtlingsproblematik konfrontiert werden.

Dabei geht es sowohl um eine späte Spurensuche aus der NS-Zeit, ausgehend von Israel, als auch um höchst unterschiedliche  Fluchtgeschichten von Polen und von Nigeria ausgehend nach Deutschland, wo Flüchtlingen neue Gefahren für Leib und Leben drohen.

Aus Bedrohung, Mord. Verfolgung, Habgier und dem Wunsch nach Heilung und Versöhnung entspinnt sich eine spannende Lektüre.

Rezension zu

Neumann, Wolfgang & Sandrock, Annette (2018): Flucht in Gefahr. Der dritte Psychokrimi aus Ostwestfalen-Lippe, dgvt-Verlag, Tübingen.

Prof. Dr. Eva-Maria Walker ( Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Bonn)

 

Mit ihrem dritten Ostwestfalenkrimi „Flucht in Gefahr“ ist dem Autorenduo Neumann und Sandrock ihr bislang eindrucksvollster kriminalpsychologischer Coup geglückt, so feinsinnig wird hier die Kriminalgeschichte um eine Flucht aus Nigeria mit den psychologischen Forschungs- und Lebensthemen des Autors miteinander verwoben.

In der Kriminalgeschichte ermitteln – mittlerweile wie gewohnt – die Bielefelder Kommissare Sasse und Johanningmeier zusammen mit ihrem befreundeten Psychotherapeuten Dr. Sauer in einem brisanten Fall: brennende Unterkünfte für Geflüchtete, kleine und große Gauner, die das Leid der Geflüchteten für sich als Geschäftsmodell entdeckt haben und eine mutige junge Frau, die sich von Nigeria nach Europa – genauer: nach Bielefeld – auf den Weg macht, um ihrem lebensbedrohlich erkrankten Bruder helfen zu können. Erst zum Ende erschließt sich dem Leser, wie die einzelnen Fäden der unterschiedlichen Fluchtgeschichten zusammen hängen, was den Krimi bis zum Schluss spannend hält. Außergewöhnlich ist diese Kriminalgeschichte aber nicht nur wegen ihres tiefen gesellschaftspolitischen Gespürs für die zeitpolitische Debatte um Geflüchtete, sondern vor allem auch, weil ein zentrales Forschungsthema des Autors auf so inspirierende Art und Weise in die Kriminalgeschichte eingewoben ist. Immer wieder geht es um die Frage, unter welchen Bedingungen Angstgefühle lebensfeindlich und lähmend für die eigene Zukunftsgestaltung werden können und unter welchen Bedingungen sie durchaus lebensförderliche Schutzfunktionen haben und vor allem um die Frage, worin die sozialpsychologischen und soziologischen Momente von Angstgefühlen bestehen und sie – zumindest in der ex post Reflexion oder aber auch in der therapeutischen Arbeit – durch das gemeinsame Erleben menschliche Verbindungen ermöglichen und Versöhnungen anbahnen können, nicht nur zwischen Tätern und Opfern, sondern eben auch – wie in dieser Kriminalgeschichte – zwischen Geflüchteten und Natives. Ganz leicht und charmant werden hier sowohl literarische Bezüge zum Thema Angst und Einsamkeit hergestellt, wenn Kommissar Johanningmeier in einer melancholischen Phase des Ermittelns mit dem Linienbus die „Endstation [Sehnsucht]“ erreicht  als auch zur Forschungsliteratur, wenn die Reisebegleitung von Dr. Sauer auf der Flugreise nach Israel von Hannah Arendts „Banalität des Bösen“ träumt.

Kurzum: Hier wurde vom Autorenduo aus Ostwestfalen mal wieder ein Krimicocktail vom Feinsten gemixt und vom dgvt-Verlag ein Krimi verlegt, der auf so angenehme Weise aus der Eintönigkeit der deutschsprachigen Krimilandschaft hervorsticht.