Mittwoch, 5. Juni 2017     20 Uhr    Eintritt frei

Spanien war ihre Hoffnung!

Vortrag von 

Prof. Dr. Jörg Wollenberg, Bremen

 

(In der Universitätshalle der Uni Bielefeld findet vom 3. bis 21. Juli 2017 die von Jörg Wollenberg kuratierte Ausstellung zum gleichen Thema statt.)

 

„Wir deutschen Antifaschisten gingen 1936 nach Spanien nicht als Söldner, nicht als Legionäre, sondern wie wir immer sagten, schrieben und sangen, als Alibi des ‘anderen Deutschland’. Viele von uns haben später erlebt, wie unsere Ideale vom Stalinismus verraten wurden. Viele gingen dann andere Wege, wie André Malraux und Ernest Hemingway, viele wurden sogar zu eifervollen Antikommunisten; wie Arthur Koestler, Gustav Regler und George Orwell. Aber ich wüsste keinen, der sein Engagement für das republikanische Spanien widerrufen hätte. Der Kampf gegen Franco war für uns alle zugleich ein Kampf gegen Hitler, und damit für Freiheit und Menschenrechte.“ So der deutsche Schriftsteller und Spanienkämpfer Prof. Dr. Alfred Kantorowicz. Er thematisiert die Widersprüche einer zunächst solidarischen Politik für die Spanische Republik. Aber die von den westlichen Demokratien verweigerte Unterstützung, auch von der  französischen Volksfront-Regierung unter Léon Blum, führte zur Abhängigkeit der Spanischen Republik von den Waffenlieferungen der Sowjetunion. Die SU schaffte so wohl die Voraussetzungen für das (befristete) Überleben der Republik. Aber sie nutzte zugleich den damit verbundenen Einfluss auf die Politik der Spanischen Volksfront zu Konflikten mit den linken Anhängern der als Trotzkisten diffamierten Mitglieder der POUM und den Anarchosyndikalisten der CNT-FAI. Eine Politik,  die das linke Lager in Europa spaltete. Gerade diese Ereignisse läuteten jenen „Bürgerkrieg im Bürgerkrieg“ ein (Broué/Témime). Er endete mit der Niederlage der Anhänger der Spanischen Republik und eröffnete Hitler eine Probebühne für den Zweiten Weltkrieg (Legion Condor).Wie sind diese Ereignisse und Polarisierungen zu erklären, welche Folgen zeitigen sie bis heute? Welche Lehren sind zu ziehen aus den Erinnerungen der deutschen Spanienkämpfer von Augustin Souchy, Carl Einstein, Ludwig Renn, Willy Brandt, Peter Blachstein, Ernst Busch, Rolf Reventlow bis zu Anna Siemsen, Erika und  Klaus Mann oder Maria Osten? Und wie kam es zum Engagement von Thomas und Heinrich Mann für die Spanische Republik?

 

Jörg Wollenberg  (Jg. 1937) ist Historiker, Erwachsenenbildner und Autor. Er war Hochschullehrer für Weiterbildung mit dem Schwerpunkt politische Bildung an der Universität Bremen.  Von 1971-1978 leitete er die Volkshochschule der Stadt Bielefeld.

Er legte zahlreiche Veröffentlichungen vor  zur Geschichte der Arbeiterbewegung und des Widerstands gegen den Nationalsozialismus, der Judenverfolgung und der NS-Kriegsverbrechen, zur Arbeit der Gedenkstätten, der Erwachsenenbildung und politischen Kultur vom 17. Jahrhundert bis zum 21. Jahrhundert.

Dienstag, den 11. Juli um 20 Uhr

 

"Üble Nachrede"

 

Krimilesung mit Krimimusik:

 

Annette Sandrock und Wolfgang Neumann stellen ihren zweiten OWL-Psychokrimi vor.

 

Musikalische Begleitung:  Andreas Gummersbach, Saxophon

Wie in ihrem ersten Krimi ("Tödliche Heilung", 2015 ) hat auch dieser 
Roman einen starken regionalen Bezug, sowohl hinsichtlich der hiesigen 
Tatorte als auch hinsichtlich der gesellschaftlich-historischen Bezüge 
und einer ganz aktuellen Thematik: dem religiösen Fundamentalismus.
Auch in "Üble Nachrede" kommen die Hauptakteure auf der Ermittlerseite 
die Kommissare Annette Sasse und Otto Johanningmeier, sowie der 
Psychologe Dr. Sauer zum Einsatz, um in einem furiosen Finale des 
Tatablaufs ihrer kriminalistischen Aufgaben gerecht zu werden.

Mittwoch, 12. Juli 2017  20 Uhr,  Eintritt frei                                                                           Buchvorstellung                                                                                                                      Die Saat des Kadmos - Staat, Demokratie und Kapitalismus             mit dem Autor Prof. Dr. Andreas Fisahn,

Universität Bielefeld    

                                                                       

(Eine Veranstaltung des Rosa-Luxemburg-Club, Bielefeld)                              

 

Kadmos ist in der griechischen Mythologie der Bruder der Europa und gründet mit wilden Kriegern den Stadtstaat Theben - am Anfang der menschlichen Gemeinschaft steht nach diesem Mythos also kein Gesellschaftsvertrag, sondern die Verfügung über die Gewaltmittel.

Andreas Fisahn stellt die Fragen: Warum trennt sich in der bürgerlichen Gesellschaft die Politik von der Ökonomie? Wie hat sich diese Trennung historisch vollzogen, oder wie haben sich die ökonomischen und politischen Voraussetzungen der bürgerlichen Gesellschaft entwickelt?

Er untersucht in seinem Buch den strukturellen Zusammenhang von kapitalistischer Ökonomie und bürgerlichem Staat. Er fragt, ob die Strukturen der bürgerlichen Gesellschaft eine Trennung von politischer und ökonomischer Herrschaft begünstigen. Im zweiten Schritt zeichnet er die historischen Entwicklungen nach, welche diese Trennung hervorbrachten, um drittens die Beziehung von parlamentarischer Demokratie und kapitalistischer Ökonomie als Folge dieser Trennung zu untersuchen. Die Trennung von ökonomischer und politischer Macht lässt sich so auch historisch nachvollziehen, was schließlich die Frage nach der parlamentarischen Vertretung der ökonomischen Macht im politischen Betrieb aufwirft. Der Mythos von Kadmos mit seinem unbeantworteten Verhältnis zur Gewalt versinnbildlicht für Fisahn die Staatsgründung treffender als der „Mythos“ vom Gesellschaftsvertrag und der einfach unterstellten Aufgabe von Gewalt

 

Der Autor

Prof. Dr. jur. Andreas Fisahn, Professor für öffentliches Recht und Rechtstheorie an der Universität Bielefeld. Er ist u.a. Mitglied im wissenschaftlichen Beirat von attac und im Beirat der Rosa Luxemburg Stiftung NRW eV. SeineForschungsschwerpunkte sind Staats- und Rechtstheorien und Europa.