Donnerstag, 29. Nov. 2018     20 Uhr    Eintritt frei

 

Vortrag und Gespräch

 

‘Bevölkerungswachstum, Arbeitsmarktentwicklung und Migration in Afrika – ein komplexes Beziehungsgefüge’

 

mit Dr. Winfried Borowczak, Soziologe aus Bielefeld mit langjähriger beruflicher Afrikaerfahrung

 

Die Migration von Menschen aus Afrika nach Europa ist seit einiger Zeit bei uns in intensiver öffentlicher Diskussion. Allerdings ist die Wanderungsbewegung nach Europa nur ein für uns sichtbarer Teil einer insgesamt komplizierten Entwicklung in Afrika. Zu diesem Themenfeld liegen auch zahlreiche Bücher und andere Publikationen vor.

Der in Bielefeld lebende Soziologe Dr. Winfried Borowczak verfolgt die Entwicklungen vor Ort als (ehem.) Regierungsberater, Berater und Gutachter in der internationalen Entwicklungs-zusammenarbeit schon seit langem. Am heutigen Abend ist er zuGast bei mondo. Sein Fazit:

Zwischen Bevölkerungswachstum, Arbeitsmärkten und Migration besteht in Afrika ein enges, gleichwohl komplexes Beziehungsgefüge. Das Bevölkerungswachstum Afrikas ist seit etwa 15 Jahren außerordentlich hoch, doch können die formellen Arbeitsmärkte der afrikanischen Länder die Arbeit und Einkommen Suchenden nicht absorbieren. Als Konsequenz ist ein großer informeller Arbeitsmarkt entstanden, auf dem europäische Regeln wie Mindest- oder Tariflohn, Arbeitszeitverordnungen, Kündigungsschutz usw. nicht gelten. Auf diesen informellen Arbeitsmärkten reichen die erzielbaren Einkommen oftmals nicht, die Arbeitskraft zu reproduzieren. So erscheint es nur konsequent, wenn Teile der afrikanischen Bevölkerung in der Migration eine Chance sehen, ihrer sozialen und ökonomischen Perspektivlosigkeit zu entgehen – sei es durch eine Migration in die urbanen Zentren des eigenen Landes, in Nachbarländer oder in die Arbeitsmärkte auf anderen Kontinenten.

Dieser Zusammenhang wird im Vortrag sowohl auf gesamtafrikanischer Ebene diskutiert, als auch an einem konkreten Länderbeispiel – Mosambik – vertiefend behandelt.

 

Dr. Winfried Borowczak studierte 1972-77 Geographie und Sozialwissenschaften, Wissenschaftstheorie und Pädagogik an den Universitäten Bielefeld und Münster und promovierte 1986 im Fach Soziologie an der Universität Paderborn. Er arbeitete 1977-92 in Forschungsprojekten in Deutschland, Portugal, Spanien und Kap Verde. Parallel dazu begann er eine Tätigkeit als Regierungsberater und Gutachter für Entwicklungsagenturen, ganz überwiegend in Afrika. Seit 1992 ist er ausschließlich als Berater/Gutachter in der internationalen Entwicklungszusammenarbeit tätig. Sein fachlicher Schwerpunkt ist die Analyse der Entwicklung und/oder Stagnation von Organisationen/Institutionen.