Buchpräsentation

 

Donnerstag 19. Okt. 2017,    20 Uhr,  Eintritt frei

 

„Schade, dass ich unter den Deutschen nicht leben kann …“                                            Die Kunsthistorikerin Hanna Levy-Deinhard

 

mit der Mitherausgeberin Dr. Irene Below, Werther

 

Die Kunsthistorikerin, -soziologin und Emigrantin Hanna Levy-Deinhard (geb. 1912 in Osnabrück, gest. 1984 in Basel) hinterließ ein inhaltlich reiches, heute vergessenes Werk, das seiner Zeit weit voraus war. Der neue Band stellt Leben und Werk der Wissenschaftlerin vor und fragt nach dessen aktuellem Stellenwert. Levy-Deinhard brach 1933 ihr Studium in München ab und emigrierte nach Paris, wo sie ihre Doktorarbeit über Heinrich Wölffin schrieb , und weiter nach Brasilien und in die USA. Als  Mitbegründerin der brasilianischen Denkmalpflege verfasste Levy-Deinhard fundierte Artikel über koloniale Kunst und die Architektur des Barock in Brasilien. Seit ihrer 1967 in der Bundesrepublik veröffentlichten Schrift „Bedeutung und Ausdruck. Zur Soziologie der Malerei“ (1967) war sie mit dem Aufbruch der Kunstgeschichte nach 1968 in Deutschland verbunden.

Mit Aufsätzen namhafter internationaler Vertreter*innen der Kunstgeschichte und Soziologie unterschiedlicher Generationen versteht sich Band 9 der Reihe Frauen und Exil als Korrektiv  zur Wissenschaftsgeschichte, in der Kunsthistorikerinnen bis heute nur eine marginale Rolle spielen. Die Beiträge widmen sich verschiedenen Aspekten von Hanna Levy-Deinhards Wirken, der Rezeption in Frankreich, Brasilien, den USA und Deutschland und deren Aktualität heute. Nicht zuletzt möchte das Buch dazu beitragen, die Aktualität von Hanna Levy-Deinhards Position im Kontext einer postkolonialen Kunstgeschichte aufzuzeigen.

Mit meinem Vortrag möchte ich auf der Grundlage des Buches  einen Einblick geben in das Leben, Denken, Schreiben und Lehren von Hanna Levy-Deinhard, die nach dem Verlassen Deutschlands in 5 weiteren Ländern gelebt und in 5 Sprachen publiziert hat.

 

Hanna Levy-Deinhard (1912–1984), Kunstsoziologin mit jüdischen Wurzeln, wurde in Osnabrück geboren. Dort war sie Teil der Kunstszene und gehörte zum Freundeskreis des Bildhauers Fritz Szalinski. Ihr Leben war bestimmt durch Vertreibung und Exil, aber auch durch Leidenschaft für die Kunst und Kunstgeschichte sowie durch beeindruckende Leistungen als Wissenschaftlerin und Pädagogin in sechs Ländern und fünf Sprachen.

Das Buch:                                                                                                                               Irene Below, Burcu Dogramaci (Hg.) Kunst und Gesellschaft zwischen den Kulturen                     – Die Kunsthistorikerin Hanna Levy-Deinhard im Exil und ihre Aktualität heute,                              edition text+ kritik, München 2016

Hanna Levy-Deinhard (1912-1984) in den 1930er Jahren während eines Parisaufenthaltes; Foto: anonym; © Archiv Below, Bielefeld